Pass the mic - Interview mit Charlotte von Pro Mater Sano e.V.

Liebe Charlotte, dein Verein „Pro Mater Sano - für eine gesunde Mutter“, unterstützt krebskranke Mütter und deren Familien. Wie sieht so eine Unterstützung konkret aus?

„Laut Satzung unseres Vereins werden physische und psychische Hilfs- und Rehabilitationsmaßnahmen für krebskranke Frauen mit Babys bzw. Kleinkindern gefördert. Das haben wir bewusst sehr allgemein formuliert. Konkret sind unsere Hilfestellungen im Einzelfall sehr individuell. Wir finanzieren im Grunde all die Dinge, die von den Krankenkassen oder anderen Kostenträgern nicht oder nur teilweise übernommen werden. Das kann bspw. eine Haushaltshilfe oder ein Babysitter sein, eine Maßnahme aus dem komplementärmedizinischen Bereich, ein therapeutisches Gerät, eine Perücke oder auch ein Sport- bzw. Yoga-Kurs.

Zudem unterstützen wir betroffene Frauen auch bei Anträgen – bspw. bei Beantragung einer Haushaltshilfe. Je nach Region können wir auch bei der Suche einer Haushaltshilfe unterstützen oder gar auf unsere bereits bestehenden Kontakte in diesem Bereich zurückgreifen. Auch Zuzahlungen zur Therapie, die sich eine Mama manchmal kaum oder gar nicht leisten kann, werden im Bedarfsfall übernommen.“

Wie kam es dazu, dass du Pro Mater Sano e.V. ins Leben gerufen hast?

„Ich selbst bin im Juni 2017 an Brustkrebs erkrankt. Die Diagnose habe ich erhalten, als ich mit meiner Tochter in der 10. Woche schwanger war. Nachdem ich mich für das Kind und gleichzeitig für die Therapie entschieden hatte, musste ich mich quasi die gesamte Schwangerschaft über einer Chemotherapie unterziehen. Nach Entbindung meiner Tochter im Dezember 2017 ging die Chemo dann weiter, gefolgt von einer Bestrahlung. Dies war eine sehr herausfordernde und kraftraubende Zeit. Ich war immer noch krank, hatte aber zusätzlich ein kleines Kind zu versorgen. Eine Haushaltshilfe wurde mir leider nur für einen sehr begrenzten Zeitraum genehmigt und die Hilfe hat bei Weitem nicht das abgedeckt, was ich tatsächlich gebraucht hätte. Trotz der Tatsache, dass ich – wofür ich sehr dankbar bin – viel Unterstützung von meiner Familie und meinen Freunden hatte, dachte ich immer, das muss auch anders gehen…krebskranke Mütter müssen besser und umfassender unterstützt werden! So ist die Idee für den Verein entstanden.“

Wie geht es dir heute?

„Gut. Ich nehme zwar aktuell noch Medikamente, aber mit den Nebenwirkungen kann man im Grunde ganz gut leben. Wenn ich auf ausreichend Bewegung und die Ernährung achte und auch auf die Signale meines Körpers höre, spüre ich kaum noch Einschränkungen. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich selbst nach dreieinhalb Jahren immer noch phasenweise extreme Erschöpfung empfinde. Letztlich bin ich aber glücklich und dankbar, dass ich den Krebs so gut wie überstanden habe und mein Leben wieder frei gestalten kann und – trotz Chemotherapie – eine gesunde Tochter zur Welt gebracht habe.“

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Die Diagnose Krebs trifft die ganze Familie. Welche besonderen Herausforderungen müssen besonders Mütter mit Kleinkindern zusätzlich zu ihrer Krebserkrankung meistern?

„Kurz gesagt, den Alltag. In ganz vielen Fällen ist es ja so, dass die Kinderbetreuung oder auch der gesamte Haushalt größtenteils von den Müttern gestemmt wird. Allerdings fehlt während einer Krebserkrankung sehr häufig die Kraft, um all diese – auf den ersten Blick einfachen Dinge – bewältigen zu können. Ich hatte – wie schon erwähnt – leider nur eine Haushaltshilfe für einen begrenzten Zeitraum, d.h. wenige Stunden in der Woche und insgesamt auch nur für drei Wochen. Die bewilligte Hilfe war bei Weitem nicht das, was ich tatsächlich gebraucht hätte. Hier knüpft jetzt die Arbeit unseres Vereins an; im Bedarfsfall übernehmen wir die weiteren Kosten der Haushaltshilfe für einen individuell abgestimmten Zeitraum.  

Wir merken bei uns im Verein aber auch oft, dass es manchmal schon hilft, wenn einfach jemand da ist, der den Kindern mal etwas kochen oder mit ihnen rausgehen kann. Deshalb übernehmen wir z.B. auch die Kosten für einen Babysitter. Manchen Müttern hingegen tut es gut, einmal eine „Auszeit vom Familienleben“ zu haben oder sie wünschen sich einen Reha- oder Yoga-Kurs. Andere Mamas wiederrum benötigen etwas völlig anderes, um Kraft zu tanken. Wir stehen deshalb allen Anfragen offen gegenüber und schauen im konkreten Bedarfsfall, wie wir der betroffenen Mama und ihrer Familie zielgerichtet helfen können.“


Und wie gehen die Kinder aus deiner Erfahrung mit der Erkrankung der Mutter um?


„Die Kinder sind häufig wahnsinnig stark, weil sie natürlich merken, dass mit ihrer Mama etwas anders ist. Selbst bei meiner Tochter habe ich damals oft bemerkt, dass sie mich beschützen wollte – dabei war sie quasi noch ein Baby. Das ist ja auch ganz klar. Die Kinder lieben ihre Eltern und wollen, dass es ihnen gut geht. Je nach Alter und Reifegrad der Kinder kann man die Krankheit aber auch – natürlich kindgerecht – mit den Kindern besprechen und erklären, was mit Mama gerade passiert. Dies ist meiner Meinung nach besonders wichtig, um den Kleinen auch ein Stück weit die Angst zu nehmen. Denn eines ist klar, die Krankheit ist eine enorme psychische wie physische Belastung für die gesamte Familie.“

Was kannst du Müttern mit auf den Weg geben, die gerade eine Krebsdiagnose erhalten haben?

„Ganz klar: Ihr seid nicht allein! Mir hat häufig einfach jemand gefehlt, der etwas Ähnliches durchlebt. Ich dachte oft, ich sei ganz allein damit. Aber ich merke durch unsere Arbeit immer mehr, dass viele – zu viele – junge Frauen an Krebs erkranken. Ich hätte mich damals sehr über Austauschmöglichkeiten wie bspw. bei Instagram gefreut oder auch über eine Anlaufstelle, wo man einfach mal ein paar Fragen loswerden kann. Auch dafür stehen unsere Türen offen: wenn man einfach mal nicht mehr weiterweiß, können sich die Mütter jederzeit an uns wenden. Die Frauen dürfen mit ihren ganz individuellen Wünschen – sei es über Instagram, E-Mail oder Telefon – auf uns zukommen und wir werden versuchen, möglichst schnell, bedarfsgerecht und unbürokratisch eine Lösung zu finden.“

Wir danken Charlotte für dieses Interview und die tolle Arbeit, die sie mit ihrem Team leistet! 

Weiter Informationen findest du auf der Home Page von Pro Mater Sano e.V.: http://www.pro-mater-sano.de

 

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