Weiblichkeit – oder was macht eine Frau zur Frau?

AliveC_M01_025Ich habe mich nie besonders weiblich gefühlt. Meine Schultern sind zu breit, mein Busen war zu klein, meine Nase dafür zu groß. In meiner Jugend ließ ich mir allerhand einfallen, um die „Makel“ zu kaschieren und mein Erscheinungsbild zarter und zierlicher zu gestalten. Denn das war es, was Weiblichkeit für mich ausmachte: Eine kleine und zierliche Gestalt, mit Rundungen am rechten Fleck, einer hohen Stimme und einem elfenhaften Gang. Also so ziemlich das Gegenteil von mir selbst. Als ich älter wurde, wurde ich mir selbst mehr und mehr bewusst und ich verstand in vielen Punkten, dass der Kampf, den ich da gegen mich selbst führte, mich nicht glücklicher machte und mir allenfalls schmerzenden Füße (High Heels) und ein vor Schmerzen schreiendes Bankkonto (Makeup, Wimpern & Co.) bescherte.

Denn was eine Frau zu einer Frau macht, ist ja wohl nicht ihre Statur, sondern die Tatsache, dass sie eine Brust hat, mit der sie ihren Nachwuchs ernähren kann, oder? War nicht das der eigentliche Unterschied zum Mann und somit der Inbegriff von Weiblichkeit? Das Gebären und ernähren von Kindern? Ja, das musste es sein. 

Heute, wenige Jahre später, sitze ich hier und denke erneut über das Thema Weiblichkeit nach. Heute trage ich kurze Haare, habe keine eigenen Brüste mehr und trage mir den Termin zur Entfernung meiner Eierstöcke im Kalender ein. Meine Schultern sind immer noch breit, meine Nase groß und zudem bin ich mit 35 in den Wechseljahren wodurch ich ein Becken wie eine 65-jährige Tortentante bekommen habe. Aber wisst ihr was? Die Betonung liegt auf Tante, nicht Onkel! Denn obwohl ich nichts von Attributen mehr aufweise, von denen ich dachte, sie würden meine Weiblichkeit repräsentieren, fühle ich mich trotzdem weiblich. Denn Weiblichkeit hat nichts mit Äußerlichkeiten zu tun. Ja wahrscheinlich nicht einmal mit unserem Geschlecht. Weiblichkeit erkenne ich in der Art wie ich mit meiner Tochter umgehe. Weiblichkeit erkenne ich in meinem Mitgefühl. Weiblichkeit bemerke ich in meinem Umgang mit Trauer oder Freude. Und ich stelle fest, dass auch ich zart und zierlich bin. Nämlich genau in diesen Momenten und das ist etwas, was mir nicht einmal der Krebs nehmen kann.

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